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Er hatte Glück

Ein anonymes Schicksal - eines unter viel zu vielen

Er hatte keine Chance und eigentlich kein Leben - (c) Esther Geisser / NetAP

Einen Namen hatte er nie. Nur eine Nummer. D459Z. Er kam an einem kühlen Frühlingstag Ende April auf die Welt, als einer von sieben Geschwistern. Seine Mutter war liebevoll und fürsorglich, dies machte die Enge des Käfigs etwas erträglicher. Als er acht Wochen alt war, kamen er und einer seiner Brüder in einen separaten Käfig, weg von der Mutter. Der Trennungsschmerz war gross.

Sein neues „Zuhause“ bestand aus Gittern. Gitter oben, Gitter unten, Gitter vorne, Gitter hinten, Gitter an den Seiten. Durch das Bodengitter konnte er die Erde sehen. Die Erde war bedeckt von seinen Exkrementen, die Tag für Tag durch die Stäbe fielen. Trotzdem schaute er immer wieder nach unten. Er verspürte den Drang, in der Erde zu graben. Sie war zwar nahe, aber für ihn dennoch unerreichbar. Zu seiner Linken und auch gegenüber waren weitere seiner Art in denselben winzigen Käfigen untergebracht. Rechts sah er einen Weg, auf dem manchmal Arbeiter hin und her liefen.

Er hatte Glück, dass er in einem Käfig an der Ecke untergebracht war, so konnte er ab und zu ein paar Menschen beobachten. Ansonsten gab es nichts zu tun. Manchmal schien die Sonne, manchmal regnete es. Nach einigen Monaten wurde es kühler und sein Fell wurde dichter, je kälter es wurde.

Eines Tages, es war Ende November, stand einer der Männer, die jeweils einen Futterbrei auf das obere Gitter spritzten, vor dem Käfig. Doch dieses Mal gab es kein Futter. Der Mann öffnete die Käfigtür packte ihn und seinen Bruder und steckte beide in einen grossen metallenen Behälter.

Er hatte Angst. Er schrie. Doch ausser seinem Bruder hörte ihn niemand. Plötzlich fiel ihm das Atmen schwer. Sein Kopf schien zu platzen. Ihm war übel. Er versuchte tief einzuatmen, doch es ging nicht. Ihm war schwindelig und langsam verlor er das Bewusstsein. Er fiel auf seinen Bruder, der bereits regungslos dalag.

Er sah seine Mutter, die ihm liebevoll über das Fell leckte. Er sah die Erde, die er nie berühren durfte. Und dann sah er nichts mehr. Er war tot. Sein Leben hatte gerade einmal acht Monate gedauert. Acht Monate, in denen er einzig für einen Zweck gezüchtet wurde: zur Befriedigung der menschlichen Eitelkeit.

D459Z und sein Bruder lebten von Geburt an bis zum Tod auf einer Pelzfarm. Nie durften sie ihre natürlichen Bedürfnisse nach schwimmen, graben, rennen, tauchen, jagen ausleben. Sie lebten auf einer Fläche von umgerechnet vier A4-Blättern. Dies entspricht den europäischen Richtlinien für die Haltung von Nerzen, ist also völlig legal. D459Z wurde nur als Produkt gesehen. Das grosse, wilde Herz, das acht Monate lang in seiner Brust schlug, die unendliche Sehnsucht, die in seinen Augen lag. Nie hat sie jemand wahrgenommen.

Nimm Du sie wahr und verzichte auf Produkte, hinter denen sich Angst und Schmerz, Leid und Tod verbergen.
Wach auf und informiere Dich!

Von Esther Geisser / NetAP - Network for Animal Protection 

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