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Erlaubnispflicht für Hundetrainer

Ein großer Schritt in die richtige Richtung

Kristina Ziemer-Falke begrüßt die Änderung des § 11 (c) Ziemer&Falke

Seit der Änderung des Tierschutzgesetzes (§ 11 Abs.1 Nr. 8 Buchst. f TierSchG) im Juli 2013 gilt bundesweit eine Erlaubnispflicht für alle, die mit dem Umgang mitTieren ihr Geld verdienen. Unter anderem auch für Hundetrainer. So soll über kurz oder lang eine möglichst tierschutzgerechte und qualitativ hochwertige Ausbildung von Hunden gewährleistet werden. Sprich: Selbsternannte Hundetrainer, die mit veralteten tierschutzwidrigen Methoden arbeiten und damit mehr Schaden anrichten als helfen, soll es nun in Zukunft nicht mehr geben.

Ab August 2014 trat diese Neuregelung in Kraft. Doch bisher ist die Umsetzung des neuen Gesetzes und die Prüfungen für Hundetrainer nicht ganz einfach, da Richtlinien erst erarbeitet werden mussten – und von Veterinäramt zu Veterinäramt unterschiedlich sind. Die Veterinärämter als ausführendes Organ geben sich größte Mühe, aber noch immer fehlt eine einheitliche Durchführungsbestimmung, an denen sich deutschlandweit Hundetrainer, Veterinärämter und letztlich auch Hundehalter auf der Suche nach qualifizierten Trainern orientieren können.

Wir sprachen mit Kristina Ziemer-Falke, Inhaberin einer der führenden Ausbildungsstätten, dem Schulungszentrum für Hundetrainer Ziemer&Falke, über §11, was sich verantwortungsvolle Hundetrainer davon erhoffen und warum es so wichtig ist, qualifiziert und tiergerecht auszubilden.

Wie habt ihr diese neue Regelung aufgenommen?
Wir haben die Änderung des § 11 natürlich sehr willkommen geheißen! Aus Überzeugung unterrichten wir schon immer modernes, artgerechtes Hundetraining und legen wert auf ein entspanntes Miteinander, bei dem Hund und Halter Erfolg – und Freude – haben. Viele Hundetrainer teilen diese Meinung und eigentlich würde es jeder begrüßen, wenn sich eine hundefreundliche Trainingsmethode als Norm durchsetzt. Folglich ist die Grundidee hinter dem Gesetz eine gute Sache.

Worin liegt Gefahr, wenn ein Hundetrainer nicht fachlich und artgerecht ausbildet?
Der Hundehalter wendet sich im Vertrauen an den Trainer, damit dieser ihm bei der Erziehung seines Hundes behilflich ist. Er geht sicherlich davon aus, dass das, was der Trainer ihm sagt, richtig ist! Er kann aber nicht immer beurteilen, ob eine artgerechte und selbstverständlich tierschutzkonforme Methode auf Basis der Lerntheorie angewendet wird, die es dem Hund ermöglicht, mit Freude und im gegenseitigen Vertrauen zu lernen. Gewaltanwendung jeglicher Art sollte heute absolut tabu sein! Denn Gewalt erzeugt Stress beim Hund und im schlimmsten Fall Gegengewalt. Der Hund wird schon rein physiologisch daran gehindert, gerne zu lernen.
Das Ergebnis einer solchen tierschutzwidrigen „Ausbildung“ landet häufig als „Problemfell“ bei Ihnen im Tierschutzbereich, denn die Leidtragenden, die es ausbaden müssen, sind meistens die Hunde.

Gibt es denn jetzt durch die neue Regelung eine bundesweit einheitliche, gute Ausbildung für Hundetrainer?
Nein, die gibt es nicht - auch wenn es einerseits sicherlich sinnvoll wäre. Andererseits wird Individualität groß geschrieben und so lange die Grenzen des Tierschutzes eingehalten werden, ist es legitim auf unterschiedliche Schwerpunkte im Hundetraining zu setzen.
Auch eine einheitliche Sachkundeprüfung gibt es nicht. Jedem Veterinäramt ist es freigestellt worden, wie es diese Prüfung durchführt. In jedem Fall aber wertet es die eingereichten Unterlagen des jeweiligen Hundetrainers aus und entscheidet über dessen Sachkundestand. Seminare, langjährige Tätigkeit, Workshops, mehrjährige Ausbildungen usw. – alles, was für eine Qualifikation wichtig sein könnte, wird unter die Lupe genommen.

Woran erkenne ich eine vertrauenswürdige Hundeschule, die nach modernen artgerechten Methoden ausbildet?
Das hat wohl unterm Strich viel mit Bauchgefühl und gesundem Menschenverstand zu tun! Eine gute Atmosphäre, respektvoller Umgang mit Mensch und Tier, Arbeit ohne Druckmittel und auch Ehrlichkeit sind zum Beispiel einige Kriterien, die seriöses Training auszeichnen.
Außerdem sollte von nun an natürlich auch der von Ihnen erwähnte Sachkundenachweis, der die Erlaubnis zum Hundetraining gegen Entgelt nach sich zieht, für gute Methoden stehen.

Euer Wunsch für die Zukunft?
Dass sich artgerechtes Hundetraining aufgrund moderner, durch die Verhaltensforschung gestützter Ausbildungsmethoden weiter durchsetzen wird, die das Miteinander zwischen dem Menschen und seinem treusten Begleiter im wahrsten Sinne verständlicher machen. Ein Hundetrainer sollte also ein guter Dolmetscher zwischen Hund und Halter sein, was voraussetzt beide zu verstehen und das, obwohl weder Hund gleich Hund noch Mensch gleich Mensch ist.
Gutes Basiswissen vereint mit dem richtigen Gespür für das Individuum Mensch und das jeweilig dazugehörige Individuum Hund führt am Ende zu der guten Bindung, die sich die meisten Menschen und vielleicht auch Hunde wünschen.


ÜBRIGENS:
Nicht nur Hundetrainer sind nach der Neuregelung erlaubnispflichtig. Auch zum Beispiel Reit- und Fahrbetriebe oder Tierheime müssen Sachkundenachweise erbringen. Außerdem im Auslandstierschutz Engagierte, 'Hundepsychologen' sowie Tierhändler.

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