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Giftköder Alarm

Warum wirklich jeder Fund angezeigt gehört

Wer den Vierbeiner immer im Blick hat, minimiert gleichzeitig die Gefahr - (c) animals-digital.de

Mit dem geliebten Vierbeiner durch den Park oder Wald zu streifen ist für Mensch-Hund-Gespanne eine wunderbare Sache – wäre da nicht eine überall lauernde Gefahr vorhanden, die Hundebesitzer weder ignorieren noch schön reden können. Jedes Jahr sterben Hunde an vorsätzlich ausgelegten Giftködern oder werden schwer krank und können einem qualvollen Tod nur in letzter Sekunde entrinnen.

Genauso wie es Hundeliebhaber gibt, gibt es auch Hundehasser. Diese schrecken oftmals nicht davor zurück mit Rattengift, Schneckenkorn, Nägeln oder Rasierklingen präparierte Fleischbällchen, Semmeln oder Würste auszulegen. Dass ihr Handeln nicht nur verabscheuungswürdig, sondern auch strafbar ist, hält sie keineswegs davon ab, immer wieder sorgsam präparierte Köder in Parks, Wälder an Feldwegen oder sonst irgendwo zu platzieren. Eine ebenso potenziell bestehende Gefahr für Kinder nehmen sie billigend in Kauf.

Um den skrupellosen Tätern das Leben möglichst schwer zu machen und so viele Hundehalter wie nur möglich über die bestehende Gefahr zu informieren und aufzuklären, haben Amalia und Sascha Schoppengerd vor vier Jahren eine ebenso geniale wie sinnvolle App entwickelt. Der GiftköderRadar alarmiert Smartphone-Besitzer automatisch, wenn in ihrer Nähe oder gar auf der täglichen Gassi-Runde gefährliche Köder gefunden wurden. Wer kein Smartphone besitzt, muss auf den Dienst natürlich nicht verzichten und kann sich direkt über die Seite www.giftkoeder-radar.com informieren. Auf diese Weise konnten bereits viele Hunde gerettet werden.

Wir sprachen mit Amalia Schoppengerd von GiftköderRadar über die durchaus ernst zu nehmende Gefahr und wie Hundebesitzer am besten damit umgehen sollten. Denn eins ist bei all den aufrüttelnden Berichten in den Medien und sozialen Netzwerken glasklar: Sich mit dem Vierbeiner nicht mehr auf die Straße trauen, ist ganz und gar keine Option. Denn sobald die Angst überwiegt, gewinnen Menschen, die mutwillig Tiere quälen die Oberhand, und das darf niemals passieren.

Hat das Auslegen von Giftködern eigentlich zugenommen oder ist das nur eine trügerische Wahrnehmung?
Zugenommen hat das mit den Giftödern selbst nicht. Aber natürlich haben sich die Transparenz und die Informationsquellen verbessert. Wenn man früher einen Giftköder gefunden hat, wurden die Nachbarn per Mundpropaganda gewarnt und man konnte nur hoffen, dass man alle Hundehalter in der Nähe erwischt. Heute geht man andere Wege und informiert über WhatsApp alle Hundebesitzer im Umkreis von 50 Kilometern oder man geht zu uns, zu GiftköderRadar, und warnt dann halt die gesamte Community. Auch die Medien springen meist auf den Zug auf und erklären, dass gerade eine reelle Gefahr besteht und Hundebesitzer da und da aufpassen sollen, weil wieder ein Fund gewesen ist. Die Ausleger an sich sind jetzt nicht mehr geworden, nur die Leute informieren sich viel besser darüber, was uns persönlich sehr freut. Denn je besser ein Hundehalter informiert ist, umso geringer ist die Chance, dass sein Hund an einem Giftköder stirbt.

Was raten Sie Hundehaltern normalerweise, abgesehen davon sich zu informieren? Ist ein Anti-Giftködertraining sinnvoll?
Wir raten generell den Hund zuerst gut zu erziehen, also auch gerne ein Anti-Giftködertraining zu machen. Gründsätzlich sollte der Hund auch in Reichweite bleiben. Natürlich sind wir immer dafür, Hunde auslaufen zu lassen, aber so, dass man den Hund immer im Auge behält. Im Prinzip ist die Erziehung das A und O – ohne geht es nicht. Sollte es einen Giftköderfund geben, raten wir immer dazu, den Giftköder einzusammeln, bei der Polizei abzugeben und diese zu bitten, den gesamten Bereich, wo man die Giftköder gefunden hat, noch einmal abzusuchen. Ein Hundehalter alleine schafft es nicht, den gesamten Abschnitt nach weiteren Ködern abzusuchen.

Oftmals gehen Hundehalter ja leider nicht zur Polizei und bringen einen Fund zur Anzeige. Wie sind Ihre Erfahrungen in diesem Punkt?
Ja, die Hundehalter wissen eigentlich gar nicht, oder wussten bis vor wenigen Monaten gar nicht, dass sie zur Polizei, beziehungsweise zum Ordnungsamt gehen können. Hierbei leisten wir ebenfalls Aufklärungsarbeit, indem wir sagen, dass die Polizei verpflichtet ist, die Anzeige aufzunehmen. Sobald nämlich eine Anzeige erstattet wurde, müssen sie auch tätig werden. Die Polizei sagt in diesen Fällen übrigens das gleiche wie wir: „Bitte bringt die Giftköder zu uns, damit wir sie untersuchen können und ein entsprechendes Verfahren einleiten können.“

Können Sie kurz sagen, auf was für Symptome Hundebesitzer achten müssen und wann man zum Tierarzt gehen sollte?
Alles was einem nicht typischen Verhalten entspricht, sollte einen alarmieren. Sprich, der Hund fängt an zu hecheln oder er trinkt extrem viel. Natürlich wenn der Hund anfängt Blut zu spucken. Aber dann ist es oftmals schon fast zu spät. Typische Symptome können auch Unruhe, Muskelzittern, ein blasses Zahnfleisch, Krämpfe oder Apathie sein. Aber wie gesagt, alles was ein nicht natürliches Verhalten eines Hundes darstellt, ist immer besorgniserregend und es sollte sofort ein Tierarzt konsultiert werden.

Werden Giftköder eigentlich eher an stark frequentierten Hundestrecken ausgelegt?  
Man kann pauschal nicht sagen, dass es nur auf den Hunde frequentierten Strecken Giftköder ausliegen und in einer ruhigen Seitenstraße nicht. Es  kommt immer darauf an, wie viele Hunde überhaupt in einer Gegend leben und wie sich diejenigen, die Giftköder ausliegen, von den Hunden gestört fühlen. Wir haben auch Meldungen aus kleinen Seitengassen, wo man jetzt nicht vermuten würde, dass dort Hunde unterwegs sind. Leider werden immer wieder Giftköder an Stellen gefunden, wo man sie jetzt nicht vermuten würde, weil da eher wenig Hunde unterwegs sind. Demnach kann die Gefahr hinter jedem Busch lauern. Nichtsdestotrotz sollte niemand in Panik verfallen und sagen, ich gehe mit meinem Hund jetzt gar nicht mehr raus. Das beste ist wie gesagt mit offenen Augen durch die Straßen gehen und den Hund gerne mal im Blick behalten und wenn es möglich ist, den Hund immer bei sich zu führen. Wir haben selber seit neun Jahren zwei Hunde  und hatten bisher nie Probleme. Dabei sind wir mit den Hunden auch in Großstädten unterwegs - auch in stark frequentierten Hundeparks.  

Wie sind Sie auf die Idee gekommen so eine App zu entwickeln?
Wir haben, wie eben erwähnt, selber zwei Hunde und haben an einem Nachmittag „hundkatzemaus“ geschaut. In dieser Sendung ging es um das Thema Giftköder. Genau genommen ging es darum, dass sich die Hundebesitzer im Internet auf verschiedenen Foren informieren könnten, wo es Gifköder-Meldungen gegeben hat. Und nachdem mein Mann und ich beide Entwickler sind, haben wir uns angesehen und hatten sofort den gleichen Gedanken – nämlich, dass es in der heutigen Zeit recht unpraktisch ist, irgendwo auf irgendwelchen Foren herumzuschauen, zumal fast jeder ein Smartphone in der Tasche hat. Wir sagten uns, es wäre doch viel praktischer, wenn man das Ganze unterwegs automatisiert anschauen könnte. Darauf haben wir uns informiert, ob es eine derartige App bereits gibt. Nachdem das nicht der Fall war, haben wir für uns sehr schnell entschieden, den GiftköderRadar zu starten und so war die App schon 48 später im Store erhältlich. Das war im Juli 2011 und mittlerweile umfasst die Community rund 150.000 Nutzer.  

Welchen Arten von Meldungen finden Nutzer auf GiftköderRadar?
Es gibt zwei Arten von Meldungen. Die Nutzer können eine Warnung aus „Mundpropaganda“ melden - also wenn zum Beispiel ein Nachbar einen Fund gemacht hat oder der Hund eines Freundes einen Giftköder aufenommen hat. In dem Fall liegt eine Warnung vor, zu der wir keine weiteren Informationen haben, aber es könnte trotzdem etwas dran sein. Und dann gibt es die verifizierten Meldungen, die von der Polizei und Tierärzten stammen. Bei diesen offiziellen Meldungen halten wir zur Polizei und den Tierärzten Kontakt und erfragen Einzelheiten zu dem Fund – sprich, um was für einen Köder handelt es sich, wo wurde er gefunden und in welchem Zeitraum. Ist die Gefahr gebannt oder hat sich eine Warnung als falsch erwiesen, geben wir selbstverständlich sofort Entwarnung und posten das auch auf allen Kanälen. Grundsätzlich gehen wir jeder eingegangenen Meldung nach.

Werden Täter auch ab und zu gefasst oder ist das eher selten ?
Das Problem dabei ist leider, dass die Halter, deren Hunde tatsächlich an einem Giftköder gestorben sind, meistens gar nicht wissen, wo sie mit dem Hund gewesen sind und was passiert ist. So gehen die direkt Betroffenen selten zur Polizei, obwohl wir immer appellieren, jeden Fall zur Anzeige zu bringen. Daher ist es eher selten, dass ein Täter gefasst wird. Dennoch gibt es tatsächlich Fälle, wo die Täter gefasst wurden und das sind so die kleinen Lichtblicke für uns. Wir sagen auch immer, wenn die Community, also die Gemeinde, noch stärker zusammenhalten würde und wirklich jeden Fund melden würde, dann könnte die Polizei auch viel besser arbeiten. Wir wissen zum Beispiel von Polizisten, dass die Beamten in Großstädten auch Profile erstellen. Sie dokumentieren wo die Giftköder auftauchen und in welchen Zeiträumen und welche Straßen davon betroffen sind und danach versuchen sie die Täter ausfindig zu machen. Wenn die Hundehalter da nicht mitspielen und die gefundenen Stücke nicht zur Polizei bringen, kann die auch nichts machen. Viele wissen ja auch nicht, dass das Auslegen von Giftködern wirklich strafbar ist und sogar mit einer Freiheitsstrafe belegt werden kann.

Nun gibt es auch Hundehalter, die weniger internetaffin sind, zum Beispiel ältere Menschen. Wie kann sich diese Gruppe informieren?  
Grundsätzlich ist es total einfach sich bei uns zu registieren. Man braucht nur eine E-Mail-Adresse und ein Passwort. Auf www.giftkoeder-radar.com kann man sich das dann direkt auf der Homepage anschauen, wenn man kein Smartphone besitzt, oder man lädt sich die App auf sein Smartphone und ist auch unterwegs immer informiert. Wir haben aber auch viele Nutzer, die für ihre Oma oder Mutter angemeldet sind. Wir bekommen dahingehend immer wieder Rückmeldungen mit dem ungefähren Wortlaut: „Toll, dass ihr diesen Dienst macht. Meine Mutter hat einen Hund, ich zwar selber nicht, aber ich informiere sie immer über neue Funde.“ Das funktioniert also so oder so sehr gut. Wobei man sagen muss, dass die Internetbase der älteren Generation ständig wächst. Zudem ist auf GiftköderRadar alles total einfach gehalten, da wir sehr auf die Nutzerfreundlichkeit der Seite achten. Eigentlich kann man da nichts falsch machen.

Insgesamt ist es unser Ziel, die Giftköder-Problematik so bekannt wie es geht zu machen, damit auch der letzte Hundehalter weiß, ja, ich muss den Fund anzeigen und ja, die Gefahr ist tatsächlich da und ich halte die Augen offen. Und wenn tatsächlich auch der Druck von den Hundehaltern auf die Behörden größer wird, dann werden auch die Strafen höher. Wenn jeder das ganze totschweigt, dann wird die Problemtik niemals gelöst werden.


ACHTUNG:
Aufgrund der vielen verschiedenen Arten von Giftködern, ist auch die Wirkung auf Hunde unterschiedlich. Das bedeutet, auch die Symptome können sehr unterschiedlich sein. Außerdem wirken manche Gifte, wie zum Beispiel Rattengift, erst nach einer gewissen Zeit. Andere Gifte wirken dagegen sehr schnell. Außerdem kommt es auch immer auf das Alter und die jeweilige Konstitution des betroffenen Hundes an. In jedem Fall ist die Aufnahme von Gift oder scharfen Gegenständen immer ein Notfall und es muss sofort gehandelt werden.

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