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Sechstes Massenaussterben

Aussterberate bei Wirbeltieren bis zu 100 Mal höher als normal

Auch das weltweite Bienensterben ist mehr als besorgniserregend - (c) animals-digital.de

Bereits seit geraumer Zeit diskutieren Wissenschaftler darüber, ob das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte bereits angebrochen ist. Dramatische Gewissheit schafft nun eine Studie von Gerardo Ceballos und Kollegen von der Autonomen Universität Mexiko. Demnach ist das sechste Massenaussterben bereits in vollem Gange – und Schuld ist der Mensch.

Dank des Einflusses der Menschheit liegt der Artenverlust allein unter den Wirbeltierarten aktuell um bis zu 100 Mal höher als normal. Das berichten die Forscher im amerikanischen Fachmagazin „Science Advances“. Würde das Massenaussterben in gleichem Maße voranschreiten, bekämen die Verursacher – also wir Menschen – die Folgen bereits in drei Generationen merklich zu spüren.

Zu dem sehr deutlichen Ergebnis gelangten die Wissenschaftler, indem sie die Daten zum weltweiten Aussterben von Wirbeltierarten der vergangenen 500 Jahre auswerteten und diese mit der sogenannten Hintergrundrate verglichen. Das ist der als normale Folge der Evolution geltende Artenschwund. In dem Fall gingen die Forscher davon aus, dass ohne den Einfluss des Menschen alle 100 Jahre zwei von 10.000 Wirbeltierarten aussterben würden. Damit entschieden sie sich, um dem Vorwurf zu entgehen, die Hintergrundrate sei zu gering, für einen doppelt so hohen Wert als andere Wissenschaftler vor ihnen.  

Dann verglichen die Forscher die erhöhte Hintergundrate mit den tatsächlichen Sterberaten. Diese erhielten sie aus Informationen der Weltnaturschutzunion (IUCN) sowie aus Fossilienfunden. Die Untersuchungen ergaben, dass die meisten Wirbeltierarten in den vergangenen 114 Jahren von der Erde verschwanden.  

Für das Ergebnis berücksichtigten die Wissenschaftler zunächst nur die tatsächlich ausgestorbenen Arten, danach die als in der Wildnis ausgestorben und zuletzt die als wahrscheinlich ausgestorben geltenden Spezies. Auf diese Art und Weise errechneten sie eine durchschnittliche Sterberate seit dem Jahr 1900, die zwischen acht bis 100 Mal höher lag, als sie ohne den Einfluss des Menschen gewesen wäre.

Mit anderen Worten: Im Normalfall hätte es 800 bis 10.000 Jahre gedauert, bis die gleiche Anzahl an Wirbeltierarten ausgestorben wäre. Damit steht für sie ganz klar fest, dass das sechste Massenaussterben schon längst begonnen hat. Das letzte große Massenaussterben fand übrigens vor 65 Millionen Jahren mit dem Verschwinden der Dinosaurier und etwa 70 Prozent aller anderen Tierarten statt.

Wenn der Mensch das Massenaussterben weiter zulässt, wären die dramatischen Folgen nicht nur für die Umwelt spürbar. Paul Ehrlich von der Stanford University war ebenfalls an der Studie beteiligt und warnt vor den schwerwiegenden Folgen dieser Entwicklung. Schließlich seien für den Menschen überlebenswichtige ökologische Funktionen, wie zum Beispiel die Bestäubung der Pflanzen oder die biologische Selbstreinigung von Gewässern von der Artenvielfalt abhängig. So ist das seit einigen Jahren beobachtete weltweite Bienensterben ein Grund höchster Besorgnis. Alleine in Deutschland haben 30 Prozent der Bienenvölker den vergangenen Winter nicht überlebt.

Zwar werde sich die Natur im Laufe von Millionen Jahren wieder erholen, so viel Zeit habe der Mensch jedoch nicht.  Um das bereits eingesetzte sechste Massenaussterben aufzuhalten, muss laut Gerardo Ceballos und seinen Kollegen schnell gehandelt werden. „Noch ist ein so dramatischer Schwund der Biodiversität abwendbar, wenn wir die Artenschutzbemühungen intensivieren – aber das Zeitfenster schließt sich schnell."


Paul Ehrlich über das sechste Massenaussterben

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