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Was hat sie da geritten?

Katzen-Erziehung: Alles eine Frage der Definition

Unerwünschtes Verhalten - eine Frage der Sichtweise? (c) Stocked House Studio - Fotolia.com

Katzen rangieren in der Haustier-Beliebtheitsskala der Deutschen ganz klar an erster Stelle. Eben, weil sie selbstbestimmt durchs Leben geht. Weil sie die Ruhe weg haben und besagte Ruhe auch auf ihre Menschen übertragen. Weil sie mit Charme und Persönlichkeit ihre Menschen um den Finger zu wickeln wissen. Ja, und weil sie eben sind wie sie sind, eigenständig, verschmust, verspielt, mal wild und mal fromm. Weil Katzen nicht bei Fuß gehen, wenn sie das sollen oder Sitz und Platz machen, wenn der Zweibeiner gegenüber das verlangt.

Also, warum sollen Katzen dann erzogen werden? Und was bedeutet Erziehung im Hinblick auf ein Zusammenleben mit einer Samtpfote? Nun, viele Katzenbesitzer befassen sich mit dem Thema Erziehung beim Auftreten unerwünschter Eigenschaften. Bis vor kurzem war doch noch alles in Ordnung und nun ist das Schmusekätzchen zum ungebärdigen Stubentiger mutiert, der Möbel zerkratzt, auf Tische und Bänke springt, mit eleganten Bewegungen die Blumentöpfe von der Fensterbank fegt und das Katzenkloo konsequent ignoriert. Sie ist nicht erzogen, lautet die einfache Diagnose. Im schlimmsten Fall versuchen Frauchen oder Herrchen dem Tierchen die unerwünschten Verhaltensweisen mit Bestrafungsaktionen abzugewöhnen. Manchmal eher, um ihre vermeindliche Nachlässigkeit wieder wett zu machen. Frau oder Mann waren einfach nicht konsequent genug. Dann beginnt für die sensiblen Tiere oftmals ein echter Horrortripp, der die unerwünschten Verhaltensweisen verblüffender Weise nicht eliminiert, sondern verstärkt.

Das ist dann der Zeitpunkt, an dem der Katzenhalter innehalten sollte und anstatt über das unmögliche Verhalten der Mieze zu sinnieren, eher sein eigenes Verhalten überdenkt. Katzenexperten wie Birga Dexel, bekannt aus den Vox-Formaten „hundkatzemaus“, „Drei Engel für Tiere“ oder „Katzenjammer“ lehnen das Bestrafen als Erziehungsmaßnahme strikt ab. Werden Katzen bestraft, reagieren sie laut der Expertin mit Angst. Drakonische Strafen wie Schütteln, mit Dingen nach den Tieren werfen, Treten oder Schlagen führe zu noch mehr Verhaltensproblemen. Auch die immer noch verbreitete Praxis, Katzen mit der Nase in ihren Urin zu stupsen,wenn sie neben das Katzenkloo machen, ist absolut kontraproduktiv.

Grundsätzlich sollte sich jeder Katzenbesitzer zu allererst vor Augen halten, dass die Samtpfoten ihre Zweibeiner ganz sicher nicht ärgern oder provozieren möchten. Damit wird ihr Verhalten vermenschlicht und das führt im Zusammenhang mit Tieren fast immer in eine Sackgasse. Vielmehr benötigen die Tierchen mit den feinen Antennen viel Liebe, Geduld und Verständnis. Ist dem Katzenbesitzer schließlich klar, dass die Samtpfote im Normalfall weder schlecht oder gar nicht erzogen ist und sie ihre Besitzer auch nicht ärgern möchte, ist er bereit für Schritt zwei: die Ursachenforschung. Dabei ist es oftmals hilfreich sich an einen Katzenexperten zu wenden. Was nicht heißt, dass ein Zweibeiner nicht durch das pure Aneignen von Wissen und dem Mut zur Selbstreflexion selbst auf die Lösung kommen kann.

Denn es kann durchaus sein, dass das für den Menschen unerwünschte Verhalten für eine Katze ganz normal und ihrem natürlichen Trieb entspringt. Das bedeutet, wenn ein Stubentiger keinen Kratzbaum zur Verfügung gestellt wird, muss halt das Tischbein herhalten. Wenn sie keine Klettermöglichkeiten hat, hüpft sie über Tisch und Bänke. Wenn sie keinen Freigang hat und der Halter den ganzen Tag in der Arbeit ist, wird sie ihr Unglücklichsein irgendwie zum Ausdruck bringen. Auch bei gesundheitlichen Problemen können sich unerwünschte Verhaltensweisen einstellen. Kommt sie mit dem neuen Artgenossen nicht klar, macht sie neuerdings vielleicht „daneben“. Oft benötigt die Katze gar keine Erziehung, sondern einfach eine Optimierung ihrer Lebensumstände. Oder der Katzenbesitzer ersetzt die sogenannte Erziehung einfach durch mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit. Diese Zuwendung kann in Form von Schmuse- oder Trainingseinheiten stattfinden. So ist das Klickertraining gerade bei reinen Wohnungskatzen sehr beliebt und eine sinnvolle Maßnahme gegen drohende Unterbeschäftigung. Alles in allem ist Erziehung wohl wirklich eine Frage der Definition.

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