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Das Projekt Hoffnung

Eine zweite Chance für tausende rumänische Streuner

Diese unschuldigen Wesen hatten Glück. Sie sind in der Smeura gelandet und damit in Sicherneit - (c) Tierhilfe Hoffnung

Eigentlich ist die Verbesserung der Lebensumstände von Hunden vor Ort das erklärte Ziel der Tierschützer. Doch das ist derzeit schwieriger denn je.

Die immer noch prekäre Situation für Straßenhunde in Rumänien ist der Grund, warum die Smeura ihre Kapazitätsgrenzen endgültig erreicht hat. Derzeit beherbergt das Tierheim des Vereins Tierhilfe Hoffnung 5400 Hunde. Damit gilt die in der Stadt Pitesti befindliche Smeura als größtes Tierheim der Welt. Ein Rekord, den die Tierschützer um den Ersten Vorsitzenden Matthias Schmidt sicherlich nicht angestrebt haben. Vielmehr ist er das Resultat einer, trotz flächendeckender Kastrationsaktionen, nicht enden wollenden Flut an herrenlosen Tieren,
die auf der Straße kaum Überlebenschancen haben.

Seit dem Inkrafttreten des umstrittenen Tötungsgesetzes im Oktober 2013 und der daraus resultierenden brutalen wie unwürdigen Hetzjagd auf tausende Hunde, erfordert die schwierige Lage einen erhöhten Handlungsbedarf. Zwar hatte das Bukarester Appellationsgericht im Juni 2014 per Beschluss die sogenannten „Anwendungsnormen“ des Tötungsgesetzes aufgehoben, dennoch werden herrenlose Hunde nachwievor eingefangen, in städtische Tierheime oder Tötungsstationen gesteckt und nach 14 Tagen, bei nicht erfolgter Vermittlung, umgebracht. Wobei dazu gesagt werden muss, dass der Zutritt zu diesen Einrichtungen in der Regel verweigert wird und Adoptionen deshalb weitestgehend unmöglich sind.

Die Tötungsstation der 120 Kilometer nordwestlich von Bukarest liegenden Stadt Pitesti befindet sich direkt gegenüber der Smeura. „Damit wir nicht Zeuge der brutalen Tötungsmaßnahmen werden, übernehmen wir im 14-Tages-Rythmus Hunde aus dem städtischen Tierheim“, berichtet Matthias Schmidt. „Zwar sind die Hundefänger mittlerweile etwas eingedämmt, dennoch fangen sie täglich im Durchschnitt 20 Hunde ein. Teilweise haben wir alle zwei Wochen bis zu 300 Hunde aufgenommen.“ Dazu kommen natürlich noch die abgegebenen oder nach der Kastration nicht mehr abgeholten Vierbeiner. Und nicht zuletzt die Straßenhunde, die von den Tierschützern aufgelesen werden, um besagten Hundefängern zuvorzukommen.

Da mit 5400 Hunden wirklich jeder Platz in der Smeura besetzt ist und täglich neue aufgenommen werden, muss für ebenso viele Tiere ein neues Zuhause gefunden werden. „Bedingt durch die Notlage sind Rettungstransporte nach Deutschland nicht mehr wegzudenken. Wöchentlich fahren wir angemeldete Transporte mit jeweils 50 bis 70 Hunden, die dann auf unsere Partnertierheime verteilt werden. Wir arbeiten mit knapp 100 deutschen Tierheimen zusammen.“ In Deutschland angekommen, dürfen sich die rumänischen Vierbeiner erst einmal in Ruhe von der anstrengenden Fahrt erholen. Sobald sie sich akklimatisiert haben, wird nach einem schönen Zuhause für die ehemaligen Smeura-Hunde gesucht. „Das klappt auch wirklich gut“, fügt Matthias Schmidt hinzu.

Damit alle in der Obhut der Tierhilfe Hoffnung befindlichen Vierbeiner eine reelle Chance auf ein neues Leben haben, achten die Tierschützer darauf, dass jeder Hund höchstens eineinhalb bis zwei Jahre in der Smeura lebt. Hunde, für die eine Verbringung nach Deutschland nicht sinnvoll ist, bleiben. „Wir haben das Glück, dass wir hinter unser Smeura einen großzügigen Waldauslauf haben, so können wir die entweder sehr alten, nicht sozialisierten oder durch Menschenhand stark traumatisierten Hunde angemessen beherbergen. Für diese Tiere haben wir dann auch spezielle Sozialisierungsräume, Ruheräume oder eben den Auslauf.“

Die Hunde, die in der Smeura auf eine zweite Chance warten sind unterdessen in einer der zwei jeweils vier Fußballfelder großen Sektoren untergebracht. Diese unterteilen sich wiederum in 160 Meter lange Ausläufe und großzügige Zwingerboxen, in denen fünf bis neun Hunde in Gruppenhaltung leben. Darin befinden sich Hundehüttenreihen mit je einem Eingang beziehungsweise einer Unterteilung pro Hund. Matthias Schmidt erklärt: „Ich weiß, dass man sich diese Masse an Hunden schwer vorstellen kann, aber ich kann versprechen, dass alles absolut tierschutzgerecht vonstatten geht.“

Davon hatte sich Anfang des Jahres auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, überzeugt. Dieser erklärte, er habe sich das alles niemals so positiv vorgestellt. Ebenso betitelte er das Tierschutzprojekt als eine „Herkulesaufgabe“ und lobte die logistische Höchstleistung des täglichen Betriebes. In der Tat kann in dieser Größenordnung getrost von einer logistischen Meisterleistung gesprochen werden. Täglich werden unvorstellbare 2700 Kilogramm Futter an die Hunde verteilt. Die Fütterung läuft zeitgleich ab und ist auf den Punkt genau koordiniert. „Es ist sehr wichtig, dass die Pfleger synchron durch die Reihen gehen und füttern, damit die Hunde sich nicht gegenseitig aufheizen“, weiß Matthias Schmidt.

„Das sind Erfahrungswerte, die wir im Laufe der Jahre gesammelt haben.“ Seit 2001 nehmen die Tierschützer in der Smeura herrenlose Hunde auf und ermöglichen ihnen eine Chance auf ein Leben ohne Entbehrungen. Zuvor diente das Gelände der ehemaligen Fuchsfarm als Vollstreckungsort für den Mord an unzähligen Streunern. Grausame Massentötungen gab es in Rumänien bereits vor dem Oktober 2013. Erst mit dem Einschreiten der deutschen Tierschützer wandelte sich der Ort des Schreckens zu einem Ort der Hoffnung.

Informationen: www.tierhilfe-hoffnung.de

 

RUMÄNIEN:

Das „schwarze Loch“ im Tierschutz
In kaum einem Land bemühen sich mehr ausländische Tierschützer um eine nachhaltige Veränderung. Rumänien hat eine selbst verschuldete Überpopulation an Straßenhunden, die ihren Anfang in den Umsiedelungsmaßnahmen des ehemaligen Diktators Ceausescu (1965-1989) nahm. Es ist ein hausgemachtes Problem, das seitens der Politik erstens mit unwürdigen Methoden und zweitens ohne echten Willen, das Problem zu lösen, bekämpft wird. Das grausame Geschäft mit den Straßenhunden ist einfach zu gewinnbringend. Manche hochrangige Persönlichkeiten kassieren sogar doppelt. So der ehemalige Bürgermeister von Pitesti, Tudor Pendiuc, der inzwischen wegen Korruption zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Er ließ nach Erlass des Tötungsgesetzes vermehrt Hunde einfangen, verwahrte sie ohne Versorgung in der städtischen Tötung und übergab sie dann an die Smeura. Dafür berechnete er hohe Versorgungs-, Einschläferungs- und Beseitigungkosten. Nach seiner Verhaftung wurde die Tötung geschlossen, aber nur für vier Monate. So läuft das in Rumänien.

 

Rumänien und die Smeura

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