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Der "Seelenmechaniker"

"Wie Gonzo meine Angst verjagte"

Eine junge Frau, der das Leben zu Füßen liegt. Quasi über Nacht wird sie krank, die Panikattacken häufen sich. Sie macht weiter, versucht die Angst zu ignorieren, so lange bis das quälende Gefühl von der jungen Frau Besitz ergreift.

Sieben Jahre lang litt Tanja Buburas unter einer Angststörung, befand sich in einem inneren Gefängnis, das es ihr nicht erlaubte, die Wohnung zu verlassen. Statt die Karriereleiter weiter hoch zu klettern, erklomm sie alle Stufen einer Karriere als Angstpatientin. Ihr Leben drehte sich nur noch um ihre Krankheit. Eine Krankheit, die ihr die Freiheit nahm und Einsamkeit bescherte.

Die ganze Bandbreite der Hoffnungslosigkeit, die Tanja Buburas psychische Erkrankung mit sich brachte, offenbart sich dem Leser bereits nach den ersten Seiten. Auch wenn es für sogenannte „Normalos“ sicherlich schwer nachzuvollziehen ist, was Angstpatienten tatsächlich durchleben und durchleiden müssen, bekommt der Leser durch die eindrücklichen Beschreibungen der Panikattacken mit all ihren körperlichen Erscheinungsformen einen erstaunlich tiefen Einblick in das Krankheitsbild. So erscheint es auch nicht verwunderlich, dass sie auf die Frage, was ihr größter Wunsch sei antwortete, sie wolle wieder einmal auf's Brauneck, einem Berg in den Bayerischen Voralpen nahe ihres Wohnortes.  

Trotz einer unüberlesbaren Hoffnungslosigkeit, wird schnell klar, dass sie die Hoffnung dennoch nie aufgab. Anders lässt sich der Schritt, den vierbeinigen Therapeuten Wunjo nebst Therapiehundeführerin Stephanie in ihr Leben zu lassen, kaum erklären. Stephanies Klarheit und Wunjos Offenheit brachten schnell erste Erfolge. Das eingespielte Mensch-Hund-Team holte Tanja Buburas da ab, wo sie sich befand – an der Schwelle zur langsam wiederkehrenden Freiheit. Sie werteten nicht und gaben ihr Schritt für Schritt zuerst ihre aufrechte Körperhaltung und dann ihr Selbstwertgefühl zurück.

Doch das Oneway-Ticket zu ihrer endgültigen Genesung von ihrer Agoraphobie war fast 30 Zentimeter hoch und hieß Gonzo. Der kleine Kerl wirbelte förmlich in Tanja Buburas Herz und blieb einfach dort. Sie versprach ihm ein schönes Hundeleben mit allem was dazu gehört. Sie hat Wort gehalten und meisterte mit seiner Hilfe die wohl größte Prüfung ihres Lebens: Das Ausschleichen der Medikamente, die während ihrer langen Krankheitsphase zwar unumgehbar waren,  durch die starken Nebenwirkungen aber eher wie „die Wahl zwischen Pest und Cholera“ erschienen. Gonzo war zur Stelle, wenn sich wieder einmal ein schwarzes Loch unter ihr auftat und er war an Tanja Buburas Seite, als sie am Gipfelkreuz des Brauneck stand. Das Fazit: „Gonzo hat mich repariert.“

Alle Zeilen in dem wirklich ans Herz gehenden Buch sind schonungslos ehrlich. Würden sich da nicht die Spuren des feinen Humors eines Menschen durch die Kapitel ziehen, der sich durch seine Krankheit besser kennenlernen durfte, als ihm lieb war, würde die besagte Hoffnungslosigkeit wohl direkt auf den Leser überspringen. Es enthält wertvolle Wahrheiten, manchmal versteckt, manchmal offensichtlich und endet mit der Erkenntnis, dass Hunde eben doch die besseren Therapeuten sind.

Tanja Buburas mit Shirley Michaela Seul:
Ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen -
Wie Gonzo meine Angst verjagte
nymphenburger Verlag, 20 €

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