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Ein Herz für Streuner

Waisenhauskinder bitten Tierschützer um Hilfe für ihre vierbeinigen Freunde

Nicu (rechts) und einige andere Kinder im Waisenhaus haben eine innige Beziehung zu den Hunden entwickelt - (c) NetAP

Es gibt Geschichten, in denen viel mehr drin steckt, als Worte jemals ausdrücken können. Das hier ist so eine Geschichte. Eine Geschichte der Hoffnung. Ein modernes Tierschutzmärchen, das man hätte erfinden müssen, wenn es nicht wirklich so passiert wäre.

In der kleinen Stadt Gavojdia in Westrumänien existiert ein Waisenhaus oder Kinderheim, in dem rund 100 Kinder und Jugendliche leben. Und wie eigentlich überall in Rumänien, so gibt es auch in Gavojdia eine größere Anzahl an Straßenhunden. Im Laufe der Zeit haben sich ein paar herrenlose Hunde auf dem Gelände des Waisenhauses eingefunden. Die freundlichen Tiere kamen nach und nach auch mit einigen der Kinder in Kontakt, sie spielten miteinander, verbrachten immer mehr Zeit zusammen und so kam es, dass das Hunderudel zu einem festen Bestandteil im Leben dieser Kinder wurde.  

Nachdem die besonders tierlieben Waisenhauskinder wirklich einen Großteil ihrer Freizeit mit ihren vierbeinigen Freunden verbrachten, fiel ihnen natürlich auf, dass immer wieder Hunde verschwanden. Besonders die jungen Hunde waren oftmals von einem auf den anderen Tag einfach wie vom Erdboden verschluckt. Auf Nachfrage, erhielten sie von den Erwachsenen die lapidare Antwort, sie hätten sie weggegeben. Manchmal bekamen die Kinder auch zu hören, dass die Hunde jetzt eben nicht mehr da seien. Als sie jedoch eines Tages einige der plötzlich verschwundenen Welpen tot im Fluß entdeckten, erkannten sie den Zusammenhang sehr wohl.

Besonders der 16jährige Nicu, der zu den Vierbeinern eine sehr enge Beziehung entwickelt hatte, wollte sich mit dem permanenten Kreislauf von Geburt und „Entsorgung“ nicht abfinden. Schließlich bat der sensible Junge eine tierfreundliche Rumänin um Hilfe, die sich wiederum an die schweizer Tierschutzorganisation NetAP – Network for Animal Protection wandte. NetAP führt in Rumänien regelmäßige Kastrationsaktionen durch, unter anderem im nur 15 Kilometer entfernten Lugoj. Tief gerührt von diesem Anliegen sagte die Gründerin und Präsidentin von NetAP, Esther Geisser, sofort ihre Hilfe zu.

„Ich empfinde es als sehr beeindruckend, dass dieser Junge gefragt hat, ob man die Hunde kastrieren kann“, erinnert sich Esther Geisser. Außerdem hatten einzelne Tiere auch gesundheitliche Probleme und natürlich litten sie an Parasiten. So fand nach relativ kurzer Vorbereitungszeit eine gemeinschaftliche Hilfsaktion von NetAP und den beiden deutschen Vereinen Streunerfreunde Lugoj Romania sowie Helfende Hände Lugoj Romania statt.

Zusammen mit zahlreichen freiwilligen Helfern fingen die Tierschützer alle Kinderheim-Hunde ein und brachten sie in die Praxis von Dr. Marius Ragobete nach Lugoj. Dort untersuchten er und Dr. Noemi Kiss alle Tiere, behandelten sie und klärten ab, welche der Hunde noch eine weitere medizinische Betreuung benötigten. Schließlich wurden fast alle Hunde kastriert. Lediglich bei einem alten Rüden und eine Hündin mit Welpen musste die Kastration auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Nach zwei Tagen Rundum-Betreuung durch die NetAP-Tierärzte wurden die Hunde schließlich noch geimpft und zurück zurück nach Gavojdia gefahren. Dort warteten die jungen Hundenarren schon sehnsüchtig auf Tor, Leu, Leica, Lessy und die anderen Vierbeiner.

Bisher war das eine Geschichte mit einem halben Happy End. Kinder, mit denen es das Leben zunächst nicht gut gemeint hatte, treffen auf Hunde, mit denen es das Leben ebenfalls nicht gut gemeint hatte. Sie finden sich, freunden sich an, die Hunde helfen den verletzten Kinderseelen, sich zu erholen und die Kinder helfen den Hunden. Aber was folgt danach?

Nun, aus dem Hilferuf von Nicu ist ein wunderbares Projekt entstanden. Alle drei Vereine führen ihr Engagement für die Kinder und Hunde von Gavojdia fort. NetAP kümmert sich weiterhin um die medizinische Versorgung der Tiere. Außerdem werden die Kinder im Umgang mit ihren Schützlingen geschult. Die Streunerfreunde Lugoj Romania kümmern sich darum, dass immer ausreichend Futter für die Hunde vorhanden ist und die Helfenden Hände Lugoj Romania unterstützen die Kinder und Jugendlichen des Heims. „Das ist ein schönes Beispiel wie eben eine Zusammenarbeit funktionieren kann“, freut sich Esther Geisser.  

Nachdem die Verantwortlichen der helfenden Vereine, allen voran Anna Pletter von den Helfenden Händen, Monica Wagner von den Streunerfreunden und Esther Geisser, ein kleines Konzept ausgearbeitet hatten, durch das ersichtlich wurde, dass die Hunde immer versorgt sind, segnete auch die Heimleitung das frisch entstandene Projekt ab. Die Hunde dürfen bleiben und die Kinder freuen sich über gesunde und fröhliche Gefährten. Natürlich heißt das für die jungen Hundefreunde, dass sie Verantwortung für ihre Schutzlinge übernehmen und sich jeden Tag um ihr Wohlergehen kümmern müssen. Vor allem Nicu übernimmt die Aufgabe sehr gerne. „Wenn man hilft und rundum hilft, dann erfahren die Kinder auch Wertschätzung und Respekt, und das hilft ihnen ja auch in der Entwicklung. Sie sollen ja auch mal verantwortungsbewusste Erwachsene werden“, erklärt die Gründerin von NetAP.

Als fest stand, dass das aus rund 15 Hunden bestehende Rudel bleiben darf, sorgten die Streunerfreunde Lugoj Romania für einen bei Bedarf abtrennbaren und eingezäunten Bereich für die Tiere. Für die geplanten Hundehütten müssen allerdings noch ein paar Spenden gesammelt werden. Auch die erste Schulung durch die Tierärztin Dr. Noemi Kiss hat bereits statt gefunden und weitere werden folgen. Und auch wenn die Kinder am liebsten in der Nähe ihrer vierbeinigen Freunde sein möchten, freuen sie sich riesig über Kleidung, Schulsachen und weitere für andere Kinder selbstverständliche Dinge, die sie über die Helfenden Hände Lugoj Romania erhalten. Aus dem halben Happy End ist ein ganzes geworden.

Vor dem Hintergrund, dass Streunerhunden in Rumänien nachwievor großes Unrecht geschieht und zudem eine viel zitierte Studie besagt, dass rund 86,3 % der rumänischen Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren durch die miterlebte Gewalt gegen Straßenhunde stark traumatisiert sind, ist diese Geschichte gar nicht hoch genug zu bewerten. Sie zeigt, dass Menschlichkeit überall exisitiert. Und sie beweist, dass es sich lohnt zu kämpfen und für Mensch und Tier da zu sein. Aber vor allem gibt sie Hoffnung, denn Kinder sind die Zukunft. Sie sind die Erwachsenen von morgen. Wenn sie spüren, dass Vierbeiner empfindsame und leidensfähige Mitgeschöpfe sind, hilft das den Tieren am allermeisten. Deshalb muss diese Geschichte einfach weiter erzählt werden. Auch wenn Worte das, was in der Geschichte alles drin steckt, kaum auszudrücken vermögen.

Weitere Informationen finden Sie unter diesen Links: NetAP, Streunerfreunde Lugoj Romania, Helfende Hände Lugoj Romania

Die Waisenhauskinder und ihre Freunde

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