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Kleine Kämpferin

Trotz allen Leids - Emily startet mit einem Schwanzwedeln in ihre Zukunft

Endlich darf die kleine Emily Liebe und Geborgenheit erfahren - (c) TiNo e.V.

Hunde sind wundervolle Lebewesen. Und sie sind höchst erstaunliche Lebewesen. Selbst nach einem, über Jahre andauernden Martyrium, sind sie innerhalb kürzester Zeit in der Lage, den Menschen, die es endlich gut mit ihnen meinen, ihr kleines Herz zu Füßen zu legen.

Genau das erleben gerade die Retter der kleinen Pudelmix-Hündin Emily. Seit sie bei ihrer Pflegefamilie eingezogen ist, blüht die zarte Hundedame förmlich auf. Wussten die Tierschützer des Vereins TiNo – Tiere in Not aus Mönchengladbach anfangs nicht, wie und wo sie das vollkommen verwahrloste Wesen berühren sollten, genießt Emily heute jede Streicheleinheit in vollen Zügen. Auch die Pflegebäder, die ihr aufgrund ihrer trockenen Haut verordnet wurden, findet sie prima. Sie spielt sogar mit den beiden Hunden der Familie. Ansonsten lässt sie ihr Pflegefrauchen Simone nicht aus den Augen und folgt ihr auf Schritt und Tritt.

Dabei soll die zierliche Hundedame eigentlich nicht so viel laufen. Die vielen Jahre ihres Martyriums, laut der Besitzerin waren es 12, haben gravierende Spuren hinterlassen. Ihre Vorderbeine weisen mindestens einen alten, nicht behandelten, Bruch auf. Zudem sind ihre Knochen aufgrund einer jahrelangen Mangelernährung demineralisiert, so dass sich Emiliys Beine richtiggehend durchgebogen haben. Sie läuft derzeit auf den Mittelfußknochen. Eventuell kann ihr mittels Beinschienen geholfen werden. Um das mit Gewissheit sagen zu können, sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig. Sorgen machen Sabrina Coslar von TiNo, dem Pflegefrauchen und den behandelnden Ärzten derzeit vor allem ihre hohen Entzündungswerte.

Emily leidet an einer schlimmen Ohrenentzündung. Dabei sind beide Ohren so stark zugeschwollen und voller Eiter, dass noch nicht festgestellt werden konnte, wie weit die Entzündung vorgedrungen ist und wo der Herd liegt. Auch die hinteren Backenzähne sehen nicht gut aus und machen ihr sicherlich zu schaffen. Sie bekommt jetzt Antibiotika, Kalzium in dosierten Mengen, Grünlipp-Muschelextrakt und ganz viel Liebe.

Von Emiliys ganzer Lebensgeschichte ist nur wenig bekannt, vielleicht weil in ihrem Leben einfach wenig passiert ist. Sicher ist, dass sie über Jahre die Wohnung mitten in Mönchengladbach nicht verlassen hat. Sie war viel alleine. Früher sei die Besitzerin wohl auch mal mit ihr raus gegangen. Wann dieses „Früher“ war, ist unklar. Auch ihr richtigen Namen hat die ehemalige Halterin, die in der Wohnung mit ihrer Tochter zusammen lebt nicht verraten. Emily, wie ihre Retter das kleine verwahrloste Bündel Hund nannten, war schlichtweg nicht vorhanden. Sie lebte ein Schattendasein, das mit einem erfüllten und artgerechten Hundeleben absolut nichts zu tun hatte. Ihr Leid blieb über viele Jahre hinweg unbemerkt und man fragt sich zu Recht, wie das sein kann.

Nachbarn hörten Emily schreien und informierten wohl zunächst das Ordnungsamt. „Der Fall ist allerdings nicht aktenkundig“, weiß Sabrina Coslar. Da nichts geschah und Emily weiter schrie, baten die Nachbarn die Tierschützer von TiNo um Hilfe. Zunächst wurde ihnen jedoch der Zutritt zur Wohnung verweigert. Als sich die Tierschützer jedoch hartnäckig zeigten, hatte die Besitzerin ein Einsehen und gab den Hund an die, angesichts des unfassbaren Zustands der Hündin, sprachlosen Vereinsmitglieder heraus. Wie jeder, der die Geschichte von Emily hört oder liest, suchten Sabrina Coslar und ihre Tierschutzkollegen nach einer Erklärung. Wie kann es sein, dass die Personen, die für dieses Lebewesen einst Verantwortung übernommen hatten, das Leid, die Schmerzen, den flehenden Blick und das Schreien nicht gesehen und gehört hatten? Die Antwort ist, dass es eine zufriedenstellende Erklärung nicht geben kann.

Nachdem die Tierschützer das verängstigte Tierchen übernommen hatten, brachten sie Emily sofort in die Tierklinik. Ihr Fell war verfilzt und als solches nicht mehr erkennbar. Ihre Krallen waren so lang, dass sie tief in die Ballen eingewachsen waren. Unter einer leichten Narkose hatten die Tierärzte sie geschoren und ihre Krallen geschnitten. Außerdem wurde die dehydrierte Hündin über eine Infusion mit Flüssigkeit versorgt und erhielt notwendige Medikamente. Schon in der Klinik war klar, dass Emily eine kleine Kämpferin ist, die unbedingt leben möchte, auch wenn sie sich dort noch ängstlich und verschüchtert zeigte.

Das änderte sich, wie schon erwähnt, schlagartig mit ihrem Einzug in ihre Pflegefamilie vor einer Woche. Seit dem Tag ist jedem ihrer Retter und Betreuer klar – diese kleine Hundepersönlichkeit möchte tatsächlich leben. Sie zeigte sich sofort erstaunlich agil und wackelte trotz ihrer deformierten Vorderbeine fröhlich und Schwanzwedeln durch ihr vorübergehendes Zuhause. Hier hat sie sogar einen Garten und Artgenossen mit denen sie angesichts ihrer jahrelangen „Einzelhaft“ erstaunlich souverän umgeht. Sie liebt es auf dem Schoß ihres Pflegefrauchens zu sitzen und schmiegt sich dann ganz eng an sie. Ein Wunder? Nein, ein Hund.

Übrigens: Mittlerweile ist auch das Veterinäramt an dem Fall dran. Eine Katze, die auch in dem Haushalt lebte, wurde per Gerichtsbeschluss beschlagnahmt. Die Tierschützer hoffen, dass bald ein Tierhalteverbot gegen die ehemalige Besitzerin von Emily ausgesprochen wird.

Weitere Informationen unter tino-ev.de

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