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Raju's erster Geburtstag

Die Geschichte des weinenden Elefanten

Raju hat zum Jahrestag seiner Befreiung eine Torte bekommen - (c) Wildlife SOS

Was wäre eigentlich passiert, wenn Raju bei seiner Rettung im indischen Allahabad keine Tränen über die schrumpelige Elefantenhaut gekullert wären? Er würde aller Wahrscheinlichkeit nach das gleiche neue Leben haben, das er jetzt auch hat. Er würde sich im "Elephant Conservation and Care Center" (ECCC) unter der Obhut der Organisation Wildlife SOS von den 50 langen Jahren seiner Gefangenschaft inklusive tagtäglicher Misshandlungen erholen. Er würde das tun, was er jetzt auch tut: Elefant sein. Zumindest so gut es für ein Wildtier mit dieser Vergangenheit eben geht. Allerdings mit dem Unterschied, dass kaum jemand Notiz davon nehmen würde.

Aber Raju hat in dem wohl wichtigsten und dramatischsten Moment seines Lebens geweint. Und während Raju vor etwas über einem Jahr seine Reise in eine bessere Welt antrat, trat das Bild des weinenden Elefanten seine Reise um die Welt an. Menschen weinten mit ihm und um ihn, sie nahmen Notiz von seinem Schicksal und sie begriffen, dass es noch ganz viele Dickhäuter auf dieser Erde gibt, die genauso leiden müssen, wie Raju gelitten hat.

Ob er wirklich verstanden hat, dass ihm an jenem Tag von den Tierschützern, die ihn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von seinen Dornenketten befreien, geholfen wird, kann mit 100 prozentiger Sicherheit niemand sagen. Seine Befreier von Wildlife SOS sind davon überzeugt, dass Raju wusste, was mit ihm geschieht. So schilderte Pooja Binepal den alles entscheidenden Moment der britischen Daily Mail mit folgenden Worten: „Es war für uns alle ein sehr emotionaler Moment. Und wir wussten in unseren Herzen, dass er realisierte, dass er befreit wird."

Im Grunde genommen ist es auch viel schöner dieser Version zu glauben. Mal ganz abgesehen davon, dass in anderen Situationen schon beobachtet wurde, wie Elefanten Tränen vergießen. Zum Beispiel, wenn einer Mutter das Kalb abgenommen wird. Dann weinen sogar beide.

Natürlich war für den geretteten Raju nach seiner Ankunft im „Elephant Conservation and Care Centre“ in Mathura nicht sofort alles „eitel Sonnenschein“. Dafür waren die äußerlichen wie auch die innerlichen Wunden zu tief. Als Kalb kam Raju vor einem halben Jahrhundert als Wildfang in die Hände seiner Peiniger. Im Laufe der Jahre soll er 27 verschiedene Besitzer gehabt haben. Nur seine Dornenketten an den Beinen, die sind ihm geblieben.

Wie fast alle Elefanten in Gefangenschaft musste auch Raju ein Ritual durchstehen, das sich „Phajaan“ nennt. Bei dieser grausamen Prozedur wird den Tieren durch Futterentzug und Schläge der Wille gebrochen (wir berichteten). Sie geben sich auf und funktionieren nur noch. Raju funktionierte in seinem Leben als Bettelelefant sehr gut.

Angesichts seiner Geschichte ist es nur zu verständlich, dass Raju sich zunächst sehr unsicher und ängstlich verhielt. Ohne Dornenketten laufen zu lernen, war für ihn gar nicht so leicht. Um zu realisieren, dass sich wirklich etwas verändert hat und um wirklich in seinem neuen Leben anzukommen, mussten einige Wochen ins Land ziehen. Aber dann freundete sich Raju mit anderen geretteten Elefanten in der Auffangstation an und entdeckte seine Liebe zum Wasser. Er erkor den Pool zu seinem favorisierten Aufenthaltsort aus und erholte sich dank der tierärztlichen Behandlungen seiner Wunden und der nährstoffreichen Diät jeden Tag ein bisschen mehr.

Doch dann nahm die Geschichte dramatische Wendung. Sein ehemaliger Besitzer wollte Raju zurück haben und reichte bei einem indischen Gericht einen Antrag ein, um die Herausgabe seines „Eigentums“ zu erwirken. Schon bei der Rettung soll der ehemalige Halter trotz gültigem Gerichtsbeschluss und Unterstützung der Polizei versucht haben, die Befreiungsaktion zu verhindern. Es heißt, er habe versucht die Straße zu blockieren und er hätte dem gepeinigten Tier noch mehr Dornenketten um die Gelenke gelegt also sonst, so dass der Tierarzt eine gefühlte Ewigkeit von 45 Minuten gebraucht hat, um diese zu entfernen.

Aber nachdem die Tierschützer um den Mitbegründer von Wildlife SOS, Kartrick Satyanarayan, zuvor bereits gut ein Jahr um Raju kämpfen mussten, bis sie endlich die Erlaubnis hatten, ihn in die Auffangstation nach Mathura zu bringen, mobilisierten sie noch einmal alle Kräfte und die Öffentlichkeit. Schließlich hatte der weinende Elefant die ganze Welt zu Tränen gerührt. Sie starteten eine Petition für Raju mit überwältigendem Erfolg und gewannen. Anfang Dezember 2014 entschied das Gericht, dass Raju sein neues und liebgewonnenes Leben im ECCC weiter genießen darf. Raju war frei, für immer, und im Juli feierte er seinen „ersten Geburtstag“. Es gab Torte, die ihm am Pool serviert wurde.

Infos unter: wildlifesos.org

Raju's Geschichte in Bildern

Raju's erstes Jahr in Freiheit

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