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Modehunde

Wenn eine Hunderasse mehr „in“ ist als andere

Als Hund hat man es nicht immer leicht, als Modehund erst recht nicht - (c) natabook2015 - Fotolia.com

Mein Haus, mein Auto, meine Gucci-Tasche, mein Hund – der vorzugsweise in der Gucci-Tasche sitzt. Paris Hilton hat's vorgemacht und ganz viele Nachahmungstäterinnen dazu animiert, sich auf ihren Shoppingtouren mit einem Chihuahua zu bewaffnen, der am besten stumm und bewegungslos in Frauchens Designer-Täschchen residiert. Dass „Bambi“ auf ihren, wenn auch kurzen vier Beinchen, immer noch tausendmal besser zu Fuß ist, als Frauchen auf zwei High Heels, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Als waschechte Modehunde haben „Bambi“, „Coco Chanel“ oder „Oscar“ weitaus mehr Privilegien als die meisten ihrer vierbeinigen Kollegen. Die reichen vom hundeeigenen Kleiderschrank bis zum eigenen Chauffeur, der „Bambi“, „Coco Chanel“ oder „Oscar“ immer pünktlich zum Friseur - neudeutsch Dog Groomer - und anderen hochwichtigen Terminen fährt. Nur eins dürfen diese Tiere leider nicht: Hund sein.

Auch wenn der Verdacht gefühlsmäßig sehr nahe liegt – Paris Hilton hat den Begriff, der den meisten auf dem Boden der Tatsachen gebliebenen Hundefreunden sauer aufstößt, keineswegs geprägt. Und außerdem muss nicht jeder Modehund zwangsläufig in eine Handtasche passen, wie der Rhodesian Ridgeback eindrucksvoll beweist. So sagt der Duden, dass dieser Begriff einen Hund bezeichnet, dessen Rasse gerade in Mode ist. Was für eine Überraschung. Und Wikipedia sagt, dass die Haltung bestimmter Hunderassen mit dem Aufstieg des Bürgertums im 19. Jahrhundert modern wurde. Diese bestimmten Rassen seien aus unerfindlichen Gründen ebenso in Mode gewesen, wie bestimmte Frisuren oder Kleidungsstücke. Damals galten zum Beispiel Englische Bulldoggen oder Greyhounds als chic.

Warum jedoch der Afghane in den 1920er Jahren „in“ war, weiß eigentlich niemand so genau. Das war eben so. Warum der Langhaarcollie nach 1943 so viele Wohnzimmerteppiche zierte, scheint zumindest nachvollziehbar. In diesem Jahr flimmerte der rührselige Streifen „Lassie Come Home“ über die Kinoleinwände und veranlasste wohl den ein oder anderen Kinobesucher dazu, sich genau so einen Hund zuzulegen. 1961 bewirkte der Film „101 Dalmatiner“, dass die gepunktete Hunderasse in der Hundehalter-Beliebtheitsskala sprunghaft anstieg. Auch dem Leinwandhit „Ein Hund namens Beethoven“, in dem ein Bernhardiner die Hauptrolle spielt, wird eine ähnliche Wirkung zugeschrieben.

Dagegen galten die Rassen Cocker Spaniel und Dackel in den 1970er Jahren auch ohne dazutun der Filmindustrie als Modehunde. Während der Cocker Spaniel heute wieder ein Dasein als Underdog fristet, erlebte der Dackel vor kurzem eine Art Renaissance. In dem Zusammenhang fällt auf, dass gerade Jagdhunderassen über ein erhöhtes Modehund-Potential verfügen. (Den Border Collie lassen wir da einfach unter den Tisch fallen.) Dazu kommen einem spontan der Irish Setter, Weimaraner oder Rhodesian Ridgeback in den Sinn. Wobei die letzten beiden aktuell unter den oberen Top-Ten der Modehunde zu finden sind. Übrigens ist auch der Labrador Retriever von Haus aus ein Jagdhund. Das vergessen nur viele, weil er als Modehund-Dauerbrenner in erster Linie als Familienhund angepriesen wird, um dann mit einem Jahr gerne mal im Tierheim zu landen.

Damit kommen wir schon zu einem der Probleme, die solche Trends hervorrufen. Modehunde werden sehr gerne ohne hinreichende Überlegungen und Kenntnis der Rasseeigenschaften ins Haus geholt. Weil genau diese Hunde so furchtbar süß, schön oder imposant sind. Oder weil der Nachbar von schräg gegenüber auch so einen hat. Und wenn die Nachfrage steigt, steigt natürlich das Angebot. Modehunde rufen immer unseriöse Züchter oder Vermehrer auf den Plan, die ausschließlich an dem schnellen Euro interessiert sind. Beliebte Hunderassen wie Rhodesian Ridgebacks, Chihuahuas, Malteser oder Möpse werden vor allem in den östlichen Nachbarländern wie am Fließband produziert und billig an das nächstbeste Frauchen oder Herrchen gebracht. Zwar sollten die Bedingungen und Folgen für die ausgebeuteten und gequälten Vierbeiner in den Vermehrerstationen durch zahlreiche Berichterstattungen hinlänglich bekannt sein – trotzdem boomt der Handel mit den „Wühltischwelpen“ nachwievor.

Gleichzeitig sind die Tierschützer, die sich vornehmlich für in Not geratene Hunde einer bestimmten Rasse engagieren im Dauereinsatz. Verhaltensgestörte oder überflüssig gewordene Labradore, Weimaraner oder Rhodesian Ridgebacks werden proportional zum Grad ihrer Beliebtheit immer häufiger zum Tierschutzhund. Trotzdem gibt es noch erstaunlich viele Menschen, die zwar unbedingt einen Rassehund wollen, für diesen aber frei nach dem Motto „Papiere brauch ich eh nicht“, eher weniger Geld als üblich ausgeben möchten. Das nennt man dann wohl ein Dilemma. Dabei wäre die Lösung genauso einfach wie naheliegend. Im Tierschutz warten mehr als genug ganz tolle Rassehunde auf ein neues Zuhause. Das nur mal so als Denkanstoß.

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