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Galgos

Eine Chance für geschundene Seelen

Sonnenbaden in der Auffangstation der Galgorettung Fränkisches Seenland e.V. - (c) Galgorettung FS

Wer als tierlieber Mensch nach Spanien blickt, wird fast zwangsläufig mit der Not der eleganten Windhunde konfrontiert. Trotz Lichtblicken und toller Tierschutzarbeit ist die Lage immer noch angespannt.

Autofahren, Umweltlärm, im Haus leben, viele fremde Menschen ... Hunde, die in ländlicher Umgebung gezüchtet, oder besser gesagt vermehrt wurden, im Sommer in einer Garage, einem Zwinger oder Schuppen eingepfercht sind und im Winter zur Jagd eingesetzt werden, kennen das alles nicht. Wenn sie sich von jetzt auf gleich in unser Leben integrieren sollen, wird den Tieren eine enorme Leistung abverlangt. Das kann gut gehen, muss aber nicht. Stress und Überforderung können jedoch vermieden werden.

Deshalb dürfen Schützlinge des Vereins Galgorettung Fränkisches Seenland nach ihrer Ankunft in Deutschland zunächst in der Auffangstation der Ersten Vorsitzenden Bianca Seefeld in Ruhe ankommen, sich akklimatisieren, und nach und nach ihre eigene Persönlichkeit entfalten. Die Galgos leben dort in kleinen Gruppen von bis zu fünf Hunden in einer beheizten Blockhütte mit eigener Auslauffläche. Insgesamt stehen dem Verein fünf Blockhütten zur Verfügung. Gerade für ängstliche Naturen bildet diese schonende Art der Integration eine wunderbare Chance auf ein neues Leben als Familienhund. Hundefreunde, die gerne einem Galgo ein Zuhause geben möchten, können sich die Hunde ohne Druck und Verpflichtung ansehen.

Den Tierschützern ist es sehr wichtig, dass ihre Hunde mit den neuen Besitzern genauso glücklich werden, wie die Besitzer mit den Hunden. So kommt es schon mal vor, dass Leute sich einen Hund über die Webseite des Vereins für sich auserkoren haben, dann aber mit einem anderen nach Hause gehen. Mit ihrer 15-jährigen Erfahrung im Tierschutz und ihrem Einfühlungsvermögen hat Bianca Seefeld ein gutes Gespür für passende Kombinationen entwickelt. Aber zunächst muss sich das „unbeschriebene Blatt“ füllen. Denn das sind Galgos, die in er Auffangstation ankommen im Grunde genommen. Erst, wenn man mehr über die Persönlichkeit und die Bedürfnisse der Hunde sagen kann, lässt sich auch die passende Familie finden.

In den großen Auffangstationen in Spanien ist es den Tieren in der Regel nicht möglich aus sich herauszukommen. Dafür leben dort einfach zu viele Hunde auf zu engem Raum. Vor allem nach der Jagdsaison platzen die privaten Refugios, wie das von Marga Zakrzewska in Chiclana de Frontera in der Provinz Cadiz, aus allen Nähten. In diesem Jahr war die Situation besonders schlimm. So konnte die Fundación Benjamin Mehnert bereits im Januar 2018 keine Hunde mehr aufnehmen. Obwohl die Auffangstation der Stiftung in Sevilla eigentlich für 350 Tiere ausgelegt ist, finden dort bis zu 700 Hunde eine Zuflucht. Oft werden die Tiere nach der Jagdsaison, die am 1. Februar endet, direkt von den Galgueros dort abgeliefert.

Dahingehend hat sicherlich eine Veränderung stattgefunden. Zudem war das Töten der aussortierten Galgos früher noch öffentlicher. Die Galgueros, wie die Jäger genannt werden, hätten in der Vergangenheit weniger Skrupel gehabt, die von ihnen aussortierten Hunde aufzuhängen oder anzuzünden. Das heißt jedoch nicht, dass heute keine Galgos mehr getötet werden. Im Gegenteil. Da immer noch jeder Jäger ungehemmt Galgos vermehrt, ist die Flut ungebrochen und es werden nach wie vor geschätzte 50 000 Galgos nach jeder Saison entsorgt. Entsorgen bedeutet in erster Linie in Brunnenschächte, Flüsse oder Felsspalten geworfen, ausgesetzt, in Hinterhöfen erschlagen oder in Tötungsstationen gebracht. Von den geschätzten 50 000 Hunden werden vielleicht einige Tausend gerettet. Die meisten der Tiere sterben anonym.

Erst im Februar 2018 hatte man bei Tarancón in einer acht Meter tiefen Felsspalte ein Massengrab entdeckt. Einige Hundeleichen lagen augenscheinlich noch nicht lange dort. Weitere Knochenfunde deuten darauf hin, dass das Grab seit mindestens 20 Jahren existiert. Bevor die Galgos in den Abgrund geworfen wurden, hatte man den meisten noch den Chip entfernt. Auf diese Weise können die Besitzer nicht mehr identifiziert werden und entgehen so einer möglichen Strafe. In Spanien gibt es zwar eine Chip- und Registrierungspflicht, die erweist sich dann aber als nutzlos.

Eigentlich müsste auch eine Geschichte über die Toten geschrieben werden. Schließlich sind Schicksale, die schlecht enden, wesentlich häufiger als umgekehrt. Aber die anonymen Schicksale sind auch schwerer greifbar. Außerdem möchten die meisten Menschen lieber Geschichten lesen, die gut ausgehen. Wie die Geschichte von Hera, die heute ihre Siesta auf dem Sofa genießt. Die Galga wurde von spanischen Tierschützern an einer Autobahnauffahrt entdeckt. Da die Hündin Menschen eigentlich zugetan war, ließ sie sich trotz ihrer Panik einfangen. Im Auto der Tierschützer saßen da bereits zwei Galgas, die sie aus einer Tötungsstation geholt hatten. Im Gegensatz zu Hera befanden sich Venus und Kenia in keinem guten Zustand. Ihre Körper waren schwach und ausgemergelt. Eigentlich wollten die Tierschützer drei Galgas aus der Perrera holen. Für diese drei Hunde hatten sie auch bereits eine Zusage von Bianca Seefeld erhalten, die versprach die Hunde aufzunehmen. Allerdings fanden sie in der Perrera anstatt der ursprünglichen drei Hündinnen nur noch zwei vor. Über den Verbleib der dritten Galga erhielten die Tierschützer keine Auskunft. Leider bekam Venus nach ihrer Rettung noch in Spanien Zwingerhusten. Sie kam in eine Klinik, wo die Tierärzte zusätzlich eine Lungenentzündung vermuteten. Trotz aller Bemühungen seitens der Ärzte starb Venus. Ihr Körper war einfach zu schwach. Zumindest hatte sie im Gegensatz zu den vielen anderen Hunden einen Namen bekommen. So gab es doch nur für zwei Hündinnen ein Happy-End.

Auch Musa nutzte ihre Chance. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern kam sie im Sommer 2016 in die Auffangstation der Benjamin Mehnert Stiftung. Was man ihr jedoch auf den Bildern nicht ansieht - Musa ist blind. Deshalb zog sie nicht in eine der Blockhütten, sondern gleich bei Bianca Seefeld ein. Dass sie sich dort gut an den anderen Hunden der Tierschützerin orientieren konnte, erleichterte ihr die Eingewöhnung in ihr neues Umfeld. Und da sich die lebhafte und spielfreudige junge Galga so glücklich zeigte, durfte sie bleiben.

 

Infos: www.galgorettung-fs.de

Zweite Chance

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